Neues Korn-Album: düstere Texte, mehr Melodie

Korn
© Daniel Karmann (dpa)

«The Nothing»

London (dpa) - Einen fröhlichen Song wird man von den US-Metallern Korn sicher niemals hören. «Happiness is a club I'll never be in» (Freude ist ein Club, dem ich nie angehören werde) singt der Frontmann Jonathan Davis auf dem neuen Album «The Nothing».

Die Zeile aus dem mitreißenden Lied «The Loss» könnte als Motto für das musikalische Werk der kalifornischen Band taugen, die schon seit 26 Jahren ihren ganz eigenen düsteren Heavy-Metal-Stil pflegt. Schon der erste Track «The End Begins» lässt keine Zweifel, dass es auch auf «The Nothing» bedrückend und dramatisch zugehen wird. Was mit harmonischen Dudelsack-Klängen beginnt, endet wenig später mit dem schluchzenden Davis.

Persönliches Leiden floss bei Korn schon immer direkt in die Musik. «Die Inspiration dafür kam durch heftigen Schmerz und Dunkelheit», sagt Davis der Deutschen Presse-Agentur, «Zeug, das ich letztes Jahr durchmachen musste, das schon seit Jahren andauert.» 2018 musste der Sänger den Tod seiner Mutter und nur Monate später den Verlust seiner Ex-Frau verkraften, die an einer Überdosis gestorben war.

Musik als Therapie? Für Davis sind die Arbeiten an jedem Korn-Album «reinigend», sagt er. «Wenn du wirklich leidest und sich Dinge in dir anstauen, dann musst du das irgendwie rauslassen, mit Schreien oder Singen. Hauptsache, du lässt die Gefühle irgendwie raus. Und wenn wir fertig sind mit den Aufnahmen, fühle ich mich deutlich besser.» Die Texte zu schreiben und die Songs zu singen, sei für ihn eine große Herausforderung gewesen, «denn ich kam von einem sehr dunklen Ort.»

Trotzdem wirken Korn auf ihrem 13. Studioalbum - das 13 Tracks umfasst und am Freitag, den 13. September, erscheint - ein bisschen melodischer als auf ihren vorherigen Alben. Wenn auch nur hier und da. «Musikalisch wollten die Jungs es etwas anders machen», erklärt Davis, «die Lieder sind irgendwie melodischer, aber es gibt auch sehr harte Songs.»

Im Track «Cold» klingt so etwas wie Hoffnung durch, wenn Davis «I'm on my way, this is the day» singt - bis der aggressive Refrain einsetzt. Für Korn-Verhältnisse fast schon soft und gleichzeitig sehr eingängig ist «Finally Free», neben dem beklemmenden «Can You Hear Me» einer der stärksten Songs des Albums.

«Ich glaube, das Musik sehr dabei helfen kann, mit dem Problemen des Lebens fertigzuwerden», meint Davis. «Musik ist das einzige, das wir alle einfach hören und für eine Weile abschalten können. Es gibt kein besseres Gefühl, als sich in einem Song zu verlieren. Für zweieinhalb oder drei Minuten denkt man an nichts Anderes, man ist nur in dem Moment und genießt die Kunst. Und das ist das beste Gefühl der Welt.»

Der Titel «The Nothing» (das Nichts) beschreibt laut Davis einen geheimnisvollen Ort im tiefsten Inneren der Erde, «an dem schwarze und weiße Energien sich um unsere Seelen legen», menschliche Gefühle und Entscheidungen beeinflussen. Dort sei ein kleiner Bereich, sagt der 48-Jährige, wo «zwischen diesen dynamischen und polarisierenden Kräften eine Balance herrscht, an dem die Seele ihre Zuflucht findet». Komplizierte Erklärung - aber ein starkes Album.

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