Selby zum vierten Mal Snooker-Weltmeister

Trophäe
© Zac Goodwin (dpa)

Triumph in Sheffield

Sheffield (dpa) - Mit Töchterchen Sofia Maria auf dem Schoß machte der neue Snooker-Weltmeister Mark Selby Zugeständnis um Zugeständnis.

«Ich habe ihr vorher gesagt, Daddy fährt zum Turnier. Vielleicht nur kurz, aber falls es länger dauert, verspreche ich dir, dass wir danach zum Spielzeugland fahren», sagte Selby unmittelbar nach dem 18:15-Finalsieg über seinen englischen Landsmann Shaun Murphy, der ihm seine vierte WM-Krönung von Sheffield einbrachte. Die sechs Jahre alte Tochter nahm ihn direkt beim Wort und plauderte im TV-Interview fröhlich über ihre Wunschliste, die Papa nun zu erfüllen habe.

Selby wird darüber schmunzeln und sich herzlich mit dem eigenen Nachwuchs freuen können. Das üppige Preisgeld von 500.000 Pfund (577.000 Euro) dürfte einen ganzen Katalog an Kinderwünschen erfüllen, doch viel wichtiger als der monetäre Lohn war für den 37 Jahre alten «Jester from Leicester» («Spaßvogel aus Leicester») am späten Montagabend die persönliche Genugtuung nach einer schwierigen Zeit.

«Vor ein paar Jahren hatte ich dunkle Tage. Meine Familie weiß, was ich durchgemacht habe», sagte Selby. Die Familie, die nun im Konfettiregen des bis auf den letzten Platz gefüllten Crucible Theatre mit Selby feiern durfte. «Unglaublich, dass wir hier die ganze Zeit Publikum gehabt hatten. Das bedeutet mir alles», sagte der neue Weltranglistenzweite, der nach 2014, 2016 und 2017 wieder das wichtigste Turnier der Welt gewann. Mit seinem vierten Titel schloss er zum schottischen Weltklassespieler John Higgins auf, der ebenfalls viermal Weltmeister in der Billard-Variante wurde.

Die britische Regierung hatte die Snooker-WM als Pilotprojekt zur Rückkehr von Menschen bei Veranstaltungen ausgewählt - so waren im Verlauf des Turniers immer mehr Fans zugelassen, für das Finale wurde gar eine Vollauslastung gestattet. «Sport ist nichts ohne die Fans», stellte Finalverlierer Murphy klar. Wie die Fans auf den 990 Plätzen mitfieberten und anfeuerten, erinnerte tatsächlich ein wenig an fast schon vergessene Zeiten. Die deutsche Snooker-Stimme Rolf Kalb vom TV-Sender Eurosport sprach angesichts der Kulisse von «teilweise Gänsehaut» und «feuchten Augen».

Als erster Verfolger von Landsmann und Primus Judd Trump kündigte Selby direkt an, schnellstmöglich wieder die Nummer eins werden zu wollen. «Das ist mein großes Ziel!» Das sind forsche Töne von einem Mann, der in den vier Jahren seit seinem zuvor letzten Triumph von Sheffield nicht immer an sich geglaubt hat. «Mark ist ein immer zweifelnder Mensch, einer, der immer an sich selbst zweifelt», sagte Experte Kalb der Deutschen Presse-Agentur. Sein Problem in diesen Jahren habe «im Kopf und nicht im Arm» gelegen.

Ein Jahr nach dem ganz bitteren WM-Halbfinal-Aus gegen Dauerrivale Ronnie O'Sullivan (16:17 nach 16:14) hat sich Selby nun endgültig rehabilitiert und Jahre des Leidens hinter sich gelassen. Für Kommentator Kalb war dieser Schritt zurück an die Spitze nur eine Frage der Zeit. «Bei ihm gibt es keinen schwachen Bereich, er ist an der obersten Weltspitze in allen Details und in allen Bereichen. Er hat den breitesten Werkzeugkasten von allen», sagte der Experte.

Selby weiß um den Stellenwert der WM, die er nun vier Mal in acht Jahren gewann. «Das ist unglaublich. Es ist ein hartes Turnier, du musst immer alles geben. Als ich das erste Mal gewann, war es ein Traum - es ist immer noch ein Traum», befand der Champion, der häufig für seine eher defensive Spielweise kritisiert wird. Rivale Murphy verpackte diesen Umstand in ein großes Lob: «Er ist wie Granit.» Murphy, der 2005 zum ersten und bislang einzigen Mal die WM gewonnen hatte, war im zwei Tage dauernden Endspiel nochmals bis auf 15:17 herangekommen, musste sich dann aber doch geschlagen geben.

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Snooker-Weltmeister
Mark Selby jubelt über seinen Sieg. Foto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa© Zac Goodwin (dpa)
Mark Selby jubelt über seinen Sieg. Foto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa
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Mark Selby
Mark Selby setzt sich im Finale mit 18:15 gegen Shaun Murphy durch. Foto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa© Zac Goodwin (dpa)
Mark Selby setzt sich im Finale mit 18:15 gegen Shaun Murphy durch. Foto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa
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